Samstag, 28. April 2012

Ein geschichtsträchtiges Gewächs: Der Stammbaum

Passend zur letzten Mittwochs-Rezi gibt's heut was über Ahnenforschung. Rassehunde und Rennpferde brauchen ihn, liquide Käufer verlangen ihn, Züchter leben von ihm. Der Stammbaum als Wertsteigerung ist bei Tieren gang und gäbe. Bei Menschen hat sein Nachweis einen faden Beigeschmack von Standes- und Statusdenken. Wenn nicht mehr. Dabei steckt statt Krone und Ehre vor allem eine schier überquellende Menge an Geschichten im Stammbaum des Durchschnittsbürgers. Und die Zeit, sie zu heben, läuft ab.

Meine Ururgroßeltern mit ihren Kindern.
Das Mädchen hinten links ist die Mutter der Mutter meiner Mutter.

Bei einem Ausflug in die Skandinavistik habe ich gelernt, dass die ersten Siedler Islands weder Adel noch Erbe brauchten, um eigenes Land zubekommen. Jedem Pionier wurde es gleichermaßen zugesprochen. Danach mussten sie nur belegen, dass es wirklich ihrer und keiner anderen Familie übereignet wurde. Man legte fest, dass der Besitz mindestens sieben Generationen zurück beweisbar gehalten werden musste. Leider finde ich nirgends im WWW einen verlässlichen Beleg dafür. Aber ich weiß noch, wie erschüttert ich war, als ich feststellte, dass ich maximal zwei Generationen vor mir mit Namen und so grade eben mit Wohnort nennen konnte. Sieben Generationen? Welche Zeiträume da umspannt werden!  - Diese Erkenntnis säte einen Gedanken in mir...

Mittwoch, 25. April 2012

Mittwochs-Rezi: The Monsters of Templeton von Lauren Groff

5 von 5 Eselsohren

Ist es eine Fabel? Ein Historienroman? Ein Briefroman? Ein Detektivroman? "The Monsters of Templeton" ist das alles. Und noch ein bisschen mehr. Auffällig mitreißend ist der Stil der Autorin, die es versteht, die unterschiedlichsten Zeiten und Charaktere zum Leben zu erwecken. Vielleicht liegt es ja in ihren Genen, ist sie doch eine Nachfahrin von James Fennimore Cooper - was für den Roman auch von entscheidender Bedeutung ist!


Die Geschichte von Willie Upton, die sich auf die Suche nach ihrem wahren Vater begiebt, aus dessen Identität die Mutter immer ein Geheimnis machte, gründet in der Familiengeschichte der Autorin selbst.  Immer tiefer gräbt sich die Vatersuchende in die Geschichte ihrer Familie und ihrer Heimatstadt ein. Sie entdeckt Schicksale und Mythen, deren Echos bis in die Gegenwart reichen. Und dann ist da ja noch das tote Monster, dass im Glimmersee treibt...