Montag, 1. Oktober 2012

Challenge-Exkurs: Fünf Bücher


Die Lieblingsbücher-Challenge läuft. Von Juli 2012 bis Juni 2013 will ich mindestens 12 Bücher der "100 neuen Lieblingsbücher" lesen, die 2011 auf Sabrinas Buchwelt veröffentlicht wurde. Viel schöner als alle Kanons finde ich die Aktion "Fünf Bücher". Was sich dahinter verbirgt, erklären die Macher selbst sehr schön:
Wir glauben, dass jeder (mindestens!) fünf Bücher hat, die er nie wieder hergeben würde. Es sind Bücher, die uns aus irgend einem Grund viel bedeuten, vielleicht weil sie uns nachhaltig geprägt, besonders berührt oder sogar verändert haben, vielleicht aber auch, weil wir uns durch sie an etwas Besonderes erinnern. Um diese „besonderen“ Bücher geht es bei “Fünf Bücher”.
Der Gedanke ist bestechend. Stimmt das? Ich habe es mir lange durch den Kopf gehen lassen und tatsächlich ein paar gefunden.
  • Die Hummerklippen-Geschichten
  • Die Volks- und Hausmärchen 
  • Das große Balladenbuch
  • Mein Liliy-Lux-Notizbuch
  • Bille und Zottel. Meine Gesamtausgabe 
Warum gerade diese? Aus ganz unterschiedlichen Gründen.




Die Hummerklippen-Geschichten
von James Krüss
-keine bestimmte Ausgabe-

Dieses Buch wurde mir von meinem Vater vorgelesen und ist ohne Übertreibung der Grundstein meiner Begeisterung für Bücher, Geschichten und Sprache. Die Erzählungen von Boy und seinem Urgroßvater auf Helgoland umfassen drei Wochen Sommerferien: Sommer auf den Hummerklippen / Gäste auf den Hummerklippen / Mein Urgroßvater und ich / Mein Urgroßvater, die Helden und ich.

In der Reihe vermittelt Krüss die Ideen und die Spannung von Sprachentwicklungen, die Freude am Sprachspielen, an Etymologie und am Schwadronieren so kindgerecht und mit so viel Lust, dass er mein sechsjähriges Ich mitten ins Herz traf. So massiv, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wo ich heute ohne dieses Buch wäre.


Stellvertretend steht Krüss hier für alle großen Kinderbuchautoren seiner Zeit, deren Ideen ich nicht aus dem Leben denken könnte. Michael Ende und Otfried Preußler vor allem. Wer mehr über sie wissen will, sollte sich diesen lesenswerten Artikel der WELT zu Gemüte führen.

Die Volks- und Hausmärchen 
der Gebrüder Grimm

Kinder brauchen Märchen. Ich brauche Märchen. Und zwar die alten, die blutigen und vermeintlich grausamen. Die, in denen Zehen abgehackt, Herzen gegessen, Wölfe ertränkt und Hexen verbrannt werden. Denn genau dieser Kontrast von ganz hell und ganz duster macht Märchen so beruhigend. Helden werden glücklich bis ans Ende ihrer Tage und das Böse wird ohne Kompromisse vernichtet.



Mein Märchenbuch trägt eine Widmung meiner Großeltern und ich bekam es mit 15, denn da wünschte ich es mir. Das Märchenbuch aus dem Kinderzimmer war zu diesem Zeitpunkt schon längst zerlesen. Als ich kurz darauf krank wurde und halb betäubt das Bett hüten musste, las meine Mutter mir aus dem neuen Buch vor. Mitten in der schlimmsten Phase der Pubertät, wo wir uns sonst bis auf die Substanz stritten waren wir beide neugierig auf die ungeschönten Originalversionen der Grimms - und mir wurde plötzlich klar, dass man immer das Kind seiner Mutter bleibt. Egal wie alt man ist.

Das große Balladenbuch
von Otfried Preußler und Heinrich Pleticha (Hrsg.)
mit Bildern von Friedrich Hechelmann
Thienemann Verlag, 2000
ISBN 978 3 522 17266 0

Es gibt viele Gedichtsammlungen und Balladenanthologien. Was diese hier besonders macht, ist die Leitung durch die beiden Herausgeber. Sie ordnen bekannte und berühmte Werke zeitlich ein und setzten sie in einen historischen Zusammenhang. Die Bilder von Hechelmann fangen den Zauber der Zeilen ein und inspirieren zum Blättern, Suchen, Träumen und natürlich Lesen.



Mit diesem Buch verbinde ich die Erinnerung an einen wunderschönen Weihnachtsabend, an dem die Familie zwischen allen ausgepackten Päckchen schließlich an diesem Buch hängen blieb und aus dem Fundus der Balladen vorlas. Meine Mutter, wie sie Die Füße im Feuer las und von ihrer ersten Begegnung damit erzählte, meine Vater, der den Taucher so intensiv vortrug, das Emotionale beim Erlkönig, der Schauer beim Knaben im Moor und Runghold. Wir lasen und sprachen, bis früh in den Morgen, bis uns die Augen zufielen und die Stimme heiser wurde.

Das Liliy-Lux-Notizbuch
von Iris Luckhaus und Matthias Klesse
Hoffmann und Campe Verlag, 2010
ISBN 978 3 455 38032 3

Ein unglaublich nützliches Buch, das seit etwas mehr als einem Jahr mein täglicher Begleiter ist. Habe ich es mal nicht dabei, komme ich unter Garantie in eine Situation, wo mir "jetzt schnell im Notizbuch nachsehen" durch den Kopf schießt. Wie falte ich ein Papierschiff? Wann sind welche Feiertage? Welcher Vogel singt wann? Pfadfinder-Wetterzeichen, Zeige-Wörterbuch, Inspirationen für Ausflüge, Basteleien, Haushaltslösungen und und und. Dank diverser Handtaschen, Ausflüge, Lagerorte und Konsultationen ist es schon jetzt recht angeschlagen, lässt sich aber dankbar immer weiter flicken, verstärken und ergänzen.




Es ist ein Büchlein, das die Idee des Schülerkalenders erfolgreich in meine Gegenwart transportiert - befreit von den Dingen, die durch Smartphones und Schulabschluss überflüssig geworden sind. Viel mehr als ein Blanko-Notizbuch. Ausgelegt ist es auf eine 4-Jahres-Laufzeit. Danach gibt es die Möglichkeit, online die Jahreskalender und Ankreuz-Seiten zum Einkleben/-nähen/-legen runterzuladen. Ein toller Service. Ob das vielgeliebte Büchlein aber länger als 4 Jahre seinen Dienst tun muss, oder ob ich nicht lieber 15 Euro in eine neue Version investiere? Wir werden sehen.

Bille und Zottel. Gesamtausgabe 
von Tina Caspari
alle 13 Bände in einem Band
Egmont Franz Schneider Verlag, 1986
978 3 505 09408 8

Welches pferdeverrückte Mädchen kennt sie nicht, die Geschichten um das dicke, rote Pony Zottel und seine junge Besitzerin Bille. Als Kind hab ich hier und da mal ein Buch der Reihe geschenkt bekommen, aber meine Mutter hielt (oder erinnerte) sich nie an die richtige Reihenfolge. Die lebenfrohen Geschichten und ihre Lektüre sind für mich verknüpft mich Ferien auf dem Ponyhof, mit Urlaub im Wohnwagen und dem Gezanke um die nächsten Bände mit meiner Schwester.




Aber alsbald landeten die Bücher in einem kindlichen Anfall von Kapitalismus auf dem Flohmarkt - nur um ein paar Jahre später schmerzlich vermisst zu werden. Dann warf eine ältere Cousine ihre Jugendbücher raus und ich erbte den für mich herrlichsten Schatz: Alle Geschichten in einem riesigen Buch, in der richtigen Reihenfolge, AUF EINMAL. (Leider hatte es bereits die Einbanddecken verloren, aber ich habe es immer gehütet und so ist der Buchblock auch nach 20 Jahren noch intakt.)