Dienstag, 18. September 2012

Mittwochs-Rezi: Die drei Fragezeichen 156 - Im Netz des Drachen

5 von 5 Eselsohren

Die drei Detektive und aktuelle Computertechnik? Ob das gut geht? Erinnere ich mich an die Computerviren, Codename Cobra oder Vampir im Internet, möchte ich "Nein!" sagen. Plots auf technischem Halbwissen aufzubauen und dann mit leider bemüht fortbildener Action zu übersättigen ist das Rezept für unfreiwillig komische Folgen. Andererseits Funktionierte "DDF meets neue Kommunikation" in Folgen wie Hexenhandy oder Spuk im Netz ganz wunderbar. Nun also ein Online-Multiplayer-Setting. Oha.


Zum Glück erinnert die Handlung nur in den Grundrissen an Vampir im Internet. Statt eines bemühten Plots, dass über die EDV- und Technik schulmeistert, werden hier viele Fakten zum Thema Onlinegaming einfach vorausgesetzt oder aber geschickt erklärend eingeflochten. Danke. Anstatt also Trivia in Dialoge zu packen, hat sich Sonnleitner auf ein vernünftiges Script konzentriert und liefert eine rundum stimmige Story. Mehr davon!



Setting
Die drei Fragezeichen stoßen zufällig auf ein Anwesen eines berühmten Spieledesigners, auf dem es angeblich spukt. Da der Designer verschwunden ist und das Haus verkauft werden soll, ergattern die Jungs den Auftrag, die merkwürdigen Vorkommnisse aufzuklären. Bei ihrer Recherche müssen sie feststellen, dass die Figuren aus der Spielwelt in der Realität ihr Unwesen treiben. Da ist es nicht sehr hilfreich, dass der Designer selbst auf dem Anwesen seine Kulissen hat real werden lassen. Zwischen Ausflügen in die Rollenspielwelt, Rätseljagden im Real Life und verworrenen Besitzverhältnissen, ist es leicht, den Kopf zu verlieren. Gut, einen Justus an Bord zu haben.

Inszenierung
Frei nach dem guten alten HGB-Motto "Schweigen bedeutet Zustimmung" kann ich nur sagen, dass mir nichts negativ aufgefallen ist. Die Sprecher machen ihren Job so gut, dass die Auflösung am Ende wirklich überraschend aber nicht zu weit hergeholt erscheint. Die Soundeffekte sind weder zu überzogen noch zu harmlos und die Musik zieht eine Szene in die nächste - ohne zu stören aber mit genug Flair für die einzelnen Kulissen.

Stimmung
Das ist gute alte Fragezeichen-Atmo. Sie erinnert mich in ihren Drehungen und Wendungen an klassische und vielgehörte Folgen. Einzig schade, dass die drei Jungs nicht auf irgendwelche Bekannten stoßen. Nichtmal Inspector Cotta taucht auf. Nur Inspector Cotta taucht am Ende noch auf. Doch Sonnleitner braucht einfach keine so gut wie keine Tricks und Figurenzitate, um den Geist der alten Folgen zu beschwören. Er schafft es diesmal tatsächlich durch vernünftiges Scripting. Schön, dass es auch so funktionieren kann. Das lässt auf mehr hoffen.

...ich frage mich nur, ob dieser Spiele-Barron etwas mit Mr. Barron von der bedrohten Ranch zu tun hat. Exzentrisch genug wäre er ja ;)