Dienstag, 8. April 2014

Schneiderlein: Das Kratzbaum-Makeover

Meine beiden Mitbewohner lieben ihren rund 10 Jahre alten Kratzbaum. Ein günstig geschossenes Luxusmodell mit der klassischen Sisal-Bespannung plus grauem Plüsch. Nun war er etwas "abgeliebt" und die Farbe passte schon lange nicht mehr ins Wohnkonzept. Zeit für neue Kleider.


Katzenfreunde kennen das: Kratzbäume sind erschreckend teuer und sind sie es nicht, sind sie schrecklich anzusehen. Meine Neubespannung hat rund 15 Euro Material und etwa ein Wochenende Arbeit gekostet. Für die unter euch, die sowas auch schon immer mal machen wollten, kommt hier die Anleitung.


Vorweg: Material 
Um einen Kratzbaum in Eigenregie neu zu beziehen, ist gar nicht so viel Schischi nötig. Man benötigt lediglich

  • genügend Stoff (Ich habe 2,50 m auf 1,40 m Stoffbreite verarbeitet)
  • Nähmaschine und Garn
  • Tacker (mir reichte der Basteltacker, ein Drucklufttacker erleichtert die Sache aber natürlich)
  • Zange (zum Ziehen der alten Tackernadeln)
  • Hammer (zum Festklopfen irrtümlich gelöster Nadeln)
  • Scheren (eine für den Stoffschnitt, eine -robustere- zum Abziehen)
  • Cutter-Messer (für kleine Schnitte an unzugänglichen Stellen)

Schritt 1: Zeichnen und durchnummerieren
Wer mal mit einem großen Kratzbaum umgezogen ist, der weiß, dass die Dinger wie kleine Puzzle sind. Um immer den Überblick zu behalten, sollte man also zu Beginn alle Bauteile durchnummerieren. Eine Risszeichnung hilft außerdem, alle zu bespannenden Teile auszumachen.


Schritt 2: Ausmessen und Stoff berechnen
Während man die Einzelteile auflistet und ausmist, kann man sich auch schon Gedanken zur Bespannung machen. Bei Brettern, die nur oben und an den Seiten gut aussehen müssen, gibt man 5 cm dazu. Andere Stücke müssen vorher zusammengenäht werden. Wo solche Kanten aufeinander stoßen, nimmt man ca. 1 cm Nahtzugabe. Die Streifen um die Sisalbeine werden nur aufgetackert. Hier reichen je 1,5 cm Zugabe, um sie anständig zu säumen.

Sind alle Rechtecke definiert, geht es daran, sie mit möglichst wenig Verschnitt auf ca. 140 cm Stoffbreite zu verteilen. Das ist eine der Standardbreiten. Ich probiere so etwas gern auf A4 aus, bevor ich mir die ganze Stoffbahn verhunze. 20 x  27 cm auf dem Papier entsprechen dabei 140 x 190 cm Stoff. Alle gemessenen Längen müssen also durch 7 geteilt werden.


Schritt 3: Zuschneiden und versäubern
Alle Zuschnitte versehe ich mit der entsprechenden Nummer aus der Risszeichnung. Nichts ist ärgerlicher, als am Ende ein zu kleines Stoffstück übrig zu haben, bloß weil ein minimal größerer Zuschnitt an falscher Stelle passte. Sind alle Stücke geschnitten, werden sie mit Zickzack-Stich auf halber Kante versäubert.


Schritt 4: Demontieren und abziehen
Jetzt kommt der Teil, den man auch als Aggressionstherapie absetzen kann. Der gesamte Baum wird auseinandergeschraubt. Dabei habe ich auf den Sisal-Beinen die Nummern aus der Risszeichnung notiert, um beim späteren Aufbau keine Fragezeichen in den Augen zu haben. Mit Zange, Schere und roher Gewalt wird anschließend der alte Stoff heruntergeholt. Die Sisalumwicklung blieb in meinem Fall dran. Die haben meine Katzen verschont.


Schritt 5: Putzen und neu beziehen
Einmal draußen und handlich zerlegt habe ich die Einzelteile gleich ordentlich abgewaschen und desinfiziert. So ist der Baum am Ende wie neu.

Die einzelnen Stoffstücke habe ich nach und nach vernäht. Bei den Streifen über und unter dem Sisal wird die versäuberte Kante einmal umgeschlagen und mit gradem Stich festgesteppt. So entsteht ein schöner und stabiler Rand. Achtet darauf, beide Enden an der selben Stelle festzutackern, dann kann man das Bein später so drehen, dass die Nadeln von vorn nicht sichtbar sind.



Das schwerste Stück war für mich die kleine Höhle. Aber mit ein wenig Ausprobieren und Tricksen ist mir auch das gelungen. Am besten arbeitet man für den Ausschnitt mit Kreide. Mit dieser bemalte ich den Rand des Höhleneingangs und legte das zugeschnittene Stoffstück darauf. Die Kreide bleibt am Stoff hängen und man hat den korrekten Ausschnitt an der richtigen Stelle. Ich schnitt ein X in den Kreis und versäuberte die Schnittkanten. So kann man die Öffnung einfach und sauber aufknicken und hat schon Stoff zum Festtackern.


Dort, wo schrauben die Bretter durchbohren, wird mit einem Cutter-Messer ein kleines X in den Stoff geschnitten. Diese kleinen Löcher braucht man aber nicht zu versäubern.


Schritt 6: Aufstellen und freuen
Wenn alle Bestandteile bezogen sind, muss der Baum nur noch wieder aufgebaut werden. Meine Tiger fanden es irrsinnig spannend. Den Aufbau. Den neuen Stoff scheinen sie gar nicht wahrzunehmen. Aber für mich hat sich die Arbeit gelohnt.