Mittwoch, 16. Mai 2012

Mittwochs-Rezi: Weltengänger-Dilogie von Sergej Lukianenko

3 von 5 Eselsohren

Mehr vom Schöpfer der Wächter-Bücher? Gerne! Ich war gespannt, ob Lukianenko die Qualität der Vorgängerwerke würde halten können. Mein Urteil: Nichts toppt das Gesamtkunstwerk "Wächter der..."
Wer aber Lukianenkos Stil mochte und mehr von ihm lesen will, der bekommt mit dem Weltengänger-Zweiteiler nette Unterhaltung, die sich ratz-fatz weglesen lässt.


Worum geht's? Kirill wird eines Tages von jetzt auf gleich von einer höheren Macht aus seinem Leben gelöscht. Freunde, Kollegen und Nachbarn erinnern sich  nicht mehr an ihn, in seiner Wohnung lebt eine fremde Frau, seine Eltern hatten nie einen Sohn und sein Hund verbellt ihn als Fremden. Nur sein Freund Kotja hält mühsam die Erinnerung und Verbindung zu ihm aufrecht. Und als sie gemeinsam dem Grund für Kirills mysteriöse Löschung herausfinden, beginnt für die beiden ein Abenteuer irgendwo zwischen Huxleys "Schöne neue Welt" und Blytons "Der Zauberbaum".


Als Zöllner an einer Schaltstelle zwischen mehreren Welten übernimmt Kirill eine wichtige Aufgabe in einem Universum, in dem er weder Spieler noch Spielregeln kennt. Das Setting von Parallelwelten, Gesellschaftsexperimenten und der alles umfassenden Suche nach dem Sinn des Lebens birgt viel Raum für Lukianenkos liebstes Steckenpferd: das Philosophieren über Gut und Böse. Wieder kommt er nicht aus seiner Haut als Kind Moskaus und Kind seiner Zeit. Im Grunde verarbeitet er sein "Wächter"-Thema noch einmal, nur bunter und episodenhafter. Es gibt unendlich viele Welten, es gibt "die da oben" und "die da unten" und jede Menge kleiner Lichter, die keinen wirklichen Durchblick haben aber dennoch so sehr für eine Ideologie brennen, dass sie es sind, die den Laden am Laufen halten.

Da aber Lukianenko dieses Gedankengebäude bereits mehr als grandios über vier Bücher hinweg durchkonstruiert hat, beweister er in den "Weltengängern" nur noch, dass er gut fabulieren kann. Mich überraschte nicht eine der Wendungen in den Büchern. Ich hatte meinen Spaß, ihm noch einmal zu folgen, aber ich finde, er hat sein Schreibtalent in gänzlich neuen Ansätzen (ich denke da an Trix Solier) wesentlich effektiver eingesetzt. Wer braucht schon einen zweiten Aufguss von "hinter den Fassaden von Moskau"?

Fazit: Wer Zeit und Lust für Lukianenko hat, der kann die Weltengänger ruhig lesen. Sie machen Spaß und haben Stil. Wer nur eine gute Serie von Lukianenko lesen möchte, der wähle bitte die "Wächter", denn dort finden sich die Gedanken und Ansichten in stilistisch und dramaturgisch ausgefeilterer Form.

Erschienen bei Heyne, broschiert
Teil 1 - Weltengänger ISBN 978-3-453-52349-4
Teil 2 - Weltenträumer ISBN 978-3-453-52460-6