Mittwoch, 30. Mai 2012

Mittwochs-Rezi: Die drei Fragezeichen 154 - Botschaft aus der Unterwelt

3 von 5 Eselsohren

Die noch relativ neue DDF-Autorin Kari Erlhoff steht für mich für markante und charmante Fälle der drei Detekitve. Tödliches Eis, Der Biss der Bestie und Der namenlose Gegner waren allesamt Folgen, die ich bereits nach dem ersten Hören ins Herz geschlossen hatte. Die feurige Flut glänzte immerhin mit Nostalgie und durchaus guten Rätseln, zeigte aber schon einen Hang zu überkriminellen Gegenern und nun also die Botschaft aus der Unterwelt.


Wieder glitzert gehörig Nostalgie und Seitenhiebpotenzial im Plot (Sherlok Holmes) und auch das kriminelle Niveau der Gegenspieler ist erneut hochgegriffen. Dazu gesellen sich unnötige Handlungsschlenker, ein kreativer Einstieg, ein Gegner mit Splien und gute Sprecher. Ich bin hin und her gerissen. Daher verharre ich irritiert in der Mitte der Wertungsskala. Ich könnte mir die Botschaft aus der Unterwelt ans Herz hören oder aber mich grandios von ihr nerven lassen.



Der Einstieg
Gleich zu Beginn eine Hörerirritation: Wir steigen ein mit einem offensichtlichen "Kombiniere-kombiniere"-Finale eines Falles. Justus löst einen Dokumentendiebstahl auf und lässt den Täter festnehmen. Erstaunt hat mich, dass ich auch ohne Vorgeschichte sofort wusste, wer gleich überführt wird. Generell mag ich ja Abweichungen von der Standard-Fall-Abfolge (aber man kann sich damit auch herzhaft vergreifen, wie das Pseudo-Ende in Mann ohne Kopf anschaulich beweist).

Das kostet aber einen ganzen Track und steuert nicht nennenswert zur Handlung bei. Ein Nebensatz oder ein weniger szenischer Einstieg hätten es vielleicht auch getan. Oder man hätte einen originelleren kompletten Fall vorweg konzipieren können. Denn der hier auftauchende Gegenspieler mit einem Faible für den Meisterdetektiv aus London hätte jedenfalls das Potenzial, ein neuer Hugenay zu werden - wenn Kari Erlhoff wollte. Ein Gentleman-Verbrecher oberster Kategorie mit mächtig viel Einfluss und vielen Berührungspunkten bei Fällen der Jungs muss man aber mit Geduld ins DDF-Universum einbringen.(Einen Patzer diesbezüglich hat sich Frau Erlhoff im Biss der Bestie erlaubt, wo sie Titus "Erzrivalen" aus dem Hut zaubert.) Verschenkt finde ich das.

Der eigentliche Fall
Nach dem irritierenden Start folgen wir den drei Detektiven auf einem relativ flauschigen Ermittlungspfad, den ein anonymer Auftraggeber mit einem Rätsel weist. Dabei greift er parallel auf nicht ganz stringente Druckmittel zurück. Während der Entschlüsselung häufen sich leider dann die Zufälle und das Rätsel, was da gelöst werden muss, hätte jeder Holmes-Fan selbst lösen können. Vor allem, wenn er des Googlens mächtig und auch noch so eine Art Pate ist. Auf die Idee, drei Juniordetektive dafür zu beauftragen, wäre ich jedenfalls als Syndikatboss nicht verfallen - auch nicht nachdem die einen meiner Pläne (den Dokumentendiebstahl) torpediert haben.

Die besondere Atmosphäre
Erlhoff schickt den Hörer in einer merkwürdige Mischung aus Westentaschen-Kinderdetektivarbeit und knallharter Chip-unter-die-Haut-spritz-Mafia-Methodik durch die Story. Das setzt sich auch im extrem theatralischen Showdown fort. Aber die Folge hat auch Höhen. So tritt Reynolds in einer sehr charmant gemachten Undercovergeschichte für die Jungs in Aktion, Justus bekommt ein Motorrad verpasst und Victoria von Trauttmansdorff ist als Forscherin wirklich eine wundervolle Stimme. Außerdem schafft sie elegant den Link zu den "Drei Fragezeichen Kids"-Folgen, als die Detektive auf ihr "altes Quartier, die Kaffekanne" ausweichen müssen. Am Ende haben die Sprecher einen sehr guten Job gemacht und die Regie hat sich (soweit ich das nach 2x Hören sagen kann) keine Patzer erlaubt.

Die experimentierfreudige Autorin
Mich besticht der Mut von Kari Erlhoff. In jeder ihrer Folgen brachte sie einerseits die Liebe zu klassischen Drei-Fragezeichen-Elementen zum Ausdruck und schaffte es andererseits lebendige neue Impulse zu setzen. Sie verlässt die altbekannten Pfade von Rocky Beach ohne die Kulisse komplett zu verändern. Neue Facetten tun dem Ort meiner Meinung nach gut. Ähnliches gilt für ihren Umgang mit den Stars - dort bricht sie mit alten Klischees und verleiht mit neuen Konflikten und Träumen den alten Konstellationen neue Tiefe.

Aber dabei schießt sie oft übers Ziel hinaus bzw. nimmt sich nicht die Zeit, ihren schönen Plänen das Laufen beizubringen. Der Erzrivale im Biss der Bestie oder die offenbar bereits bekannte Reporterin in Tödliches Eis  sind so Beispiele. Mit Rubbish George und Jeffrey hat die behutsame Einführung doch auch geklappt.

Das optimistische Fazit
Also? Ich freu mich auf mehr von Kari Erlhoff, aber ich hoffe, dass sie noch selbstbewusster mit der Rahmenhandlung umgeht und vielleicht sogar andere Autoren für ihre Figuren und Sets begeistert. Potenzial ist meiner Meinung nach da!