Mittwoch, 22. Januar 2014

Mittwochs-Rezi: Nacht aus Rauch und Nebel von Mechthild Gläser

Ein Beitrag zur Fantasize-Challenge 
1 von 5 Eselsohren

Nachdem der erste Band "Stadt aus Trug und Schatten" sehr unterhaltsam war und zudem einige Fragen offen ließ, habe ich mir auch den zweiten Band der Steampunk-Bergbau-Teenager-Dilogie von Mechthild Gläser zu Gemüte geführt. Ich hoffte die Auflösung der geflüsterten Prophezeiung zu erfahren, ich hoffte, die Geheimnisse Eisenheims wären so zischend-magisch, wie es Band eins andeutete. Ich wurde enttäuscht.



Die Kulissen und Charaktere bleiben blass. Aus Andeutungen wird - zumindest auf den ersten 100 Seiten - nichts gemacht. Nach dieser Seitenspanne wurde es mir zu zäh und ich las nur noch das letzte Kapitel, in der Hoffnung auf ein vernünftiges Ende. Leider konnte ich es komplett verstehen - und das spricht für mich gegen den weiteren Handlungsverlauf im Buch.

Was der erste Band an Potenzial versprach, kann der zweite leider nicht einmal ansatzweise einlösen. Von der Spannung und dem Mysterium Eisenheims bleiben unausgegorene Figuren und Kulissen, durchschaubare Rätselchen und eine Liebesgeschichte, die sich unberechtigt in einer Dramatik der Unmöglichkeit gefällt.




Plot
Wir setzen da an, wo Band eins aufgehört hat. Das Mädchen Flora hat inzwischen herausgefunden, dass sie eine "Wandelnde" ist. Tagsüber lebt sie ihr Schülerleben in Essen, nachts wandelt ihre Seele im farblosen Eisenheim, das voller Steampunkelementen und Logenromantik ist. Alles, was im ersten Teil spannend enthüllt wurde, treibt nun in der Geschichte mit, ohne jedoch zu einer echten Sinneswandlung bei Flora zu führen.

Wurden wir am Ende des Bandes mit einer rätselhaften Prophezeihung zurückgelassen, wird Flora nun erstmal von deren Entschlüsselung abgehalten. In schnellem Schnitt wechseln sich Wach- und Schlafphasen ab, wird das Leben immer unglaubwürdiger, treibt Flora farblos von einem Hinweis zum anderen.

Vielversprechende Details aus dem ersten Band werden nicht weiter ausgebaut, sie bleiben einfach da. Zum Beispiel die fliegende Magmakugel "Sieben", die Flora in der Traumwelt begleitet und die mal als Haustier, mal als bessere Taschenlampe beschrieben wird, nur um umgehend vergessen zu werden. Die schmachtende Möchtegerndramatik einer angeblich unmöglichen Liebe brachte mich zum Ende meiner Geduld.

Und die rätselhafte Prophezeiung? Ist es nicht. Gut, "Ein Stein und ein Mädchen verbunden." ist jetzt auch keine höhere Kyptographie - aber ich hatte gehofft, dass da noch mehr hinter steckt. Aber das bisschen, was dann noch aufzutreiben ist, wird auf den letzten Seiten in schlechtester Krimimanier zwangsenträtselt. "Ach, vielleicht müssen wir es ja so verstehen... ja. So wird es sein." Ähm. Nein, danke.


Ausstattung
Auch Optisch fällt Buch zwei merklich hinter Buch eins zurück. "Stadt aus Trug und Schatten" bestach durch viele bibliophile Details. Ein Leseband, farbiges Vorsatzpapier (pink!), rauer Schutzumschlag mit sparsamer Lackung auf den im erhaben geprägten Buchstaben. Alles sehr dezent, sehr weiß, sehr schön im Kontrast zur grauen Kulisse des Plots.

"Nacht aus Rauch und Nebel" dagegen ist vornehmlich schwarz, der Schutzumschlag ist 0/8/15-gelacktes Papier ohne Präger oder anderen Schnickschnack. Das Vorsatzpapier ist normal-weiß, das Leseband entfällt. Und schon ist es nur noch ein Teenager-Buch von vielen.


Fazit
Die Schwächen des ersten Bandes werden nicht ausgemerzt, sondern noch betont. Viele Andeutungen werden ewig mitgeschleppt, anstatt langsam aufgelöst. Viele offensichtliche Lösungen bleiben lange offiziell ungefunden. Die Gefühlswelt bleibt halbgehangen, die Figuren werden eher merkwürdiger als nachvollziehbarer und die Hoffnung auf schöne Sprachbilder zwischen Beginn und Lösung sollte man gleich aufstecken.



Details zur Ausgabe
400 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Loewe, 17.06.2013
ISBN 9783785574454