Mittwoch, 13. Juni 2012

Mittwochs-Rezi: Das dunkle Meer der Sterne von Dane Rahlmeyer

3 von 5

Eine kleine und streckenweise sehr charmante Space-Opera von Pandoras Play, auf die ich durch ein Gewinnspiel gestoßen bin. Aus einer Ansammlung von geschenkten Hörspielen kleinerer Lables  stach die Folge 6 von "Das dunkle Meer der Sterne" angenehm hervor. Neugierig geworden kaufte ich mir Anfang 2010 darauf hin die 5 Vorgänger.


Ich beschrieb sie in Empfehlungen öfter mal als "Firefly für die Ohren". Leider sollte sich diese Parallele auch in der Produktion bemerkbar machen. Die geriet nach Folge 6 nicht nur ins Stocken, sie drohte gänzlich abzubrechen. In diesem Jahr nun wurden dank eines Crowdfunding-Projektes auf Startnext  zwei weitere Folgen ermöglicht. Sie beenden die erste Staffel und sind gerade erschienen. Zeit und Gelegenheit, euch  "Das dunkle Meer der Sterne" vorzustellen.



Setting  (aus der Serienbeschreibung auf www.hoerspiele.de)
Es ist das Jahr 4038 nach dem Alten Kalender - beinahe tausend Jahre nach dem Großen Zerfall, als die Alexandria-Welle die Welten der Galaxis voneinander isolierte. Aber dann werden neue Überlichtschiffe gebaut, und die Menschen beginnen ein weiteres Mal, den Weltraum zu erforschen. Die legendären Sternstraßen werden reaktiviert - und eröffnen neue Welten im dunklen Meer der Sterne.

Personal
  • Kim Hunter ist die Identifikationsfigur der Serie. Das junge Mädchen lebt zu Beginn der Serie im Haus ihres Großvaters Rufus auf einem Planeten, der einer Allianz freier Planeten angehört und einen passablen technischen Entwicklungsstand hat. Sie geht zur Schule und vertreibt sich mit ihrer besten Freundin die Zeit. 
  • Rufus Hunter gehört dem Forschungsteam an, das die reaktivierte Sternstraße bereisen soll. Sein Team ist bereits gestartet und er sendet seiner Enkelin regelmäßig Nachrichten durch das Kommunikationssystem der Regierung. Doch die Inhalte bleiben allgemein, denn das meiste unterliegt hoher Geheimhaltung. Die letzte Nachricht jedoch wird abrupt unterbrochen - offenbar von einer Katastrophe.
  • Käpt'n Joshua Moon steht Kim alsbald zur Seite. Der bärbeißige aber inzwischen recht abgehalfterte Weltraumfahrer hat offenbar schon so manches Abenteuer durchlitten, braucht das All aber wie ein Fisch das Wasser. Als besonderes Feature hat er seit einem Unfall einen künstlichen Arm mit allerlei nützlichen Gimicks - so z.B. einer Laserwaffe und einer Kommunikationsstandleitung zu seinem Raumschiff.
  • Vimana ist die KI des Raumschiffes, mit dem Käpt'n Moon und Kim in ihr Abenteuer starten. Äußerlich macht dieses nicht viel her - was man vom Hologramm der Dame allerdings nicht behaupten kann. Sie ist ständig über einen Com-Chip mit dem Käpt'n verbunden. Schlagfertig, clever und sehr besorgt um Moon ist sie eine Art weiblicher KITT fürs Weltall. Andromeda lässt grüßen.
  • Jeremy ist der in Watte gepackte Erbe eines übermächtigen Imperiums, das sein Vater mit Hilfe einer Androidenarmee aufgebaut hat. Seine Mutter,  Kaiserin Valea ist über den Verlust ihres Mannes verbittert und vielleicht sogar wahnsinnig geworden und treibt die Ausweitung ihres Einflussbereichs immer weiter voran - nur um ihren Sohn eines Tages auf dem Thron zu sehen.
Skript
Anfangs lässt sich das Drehbuch noch Zeit und entwickelt in schönen "Was wir auf dem Weg treffen"-Episoden die Figuren mit Blick auf eine längere Zusammenarbeit. Mit dem Auftauchen einer größenwahnsinnigen Weltallkaiserin und ihrer Armee gewinnt die Geschichte an Profil und Schwung und Folge 6 gibt Anlass zu Vorschusslorbeeren und der Hoffnung auf viele schöne Episoden mit komischen Dingen/Menschen/Orten im All.

Diesen Schwung büßt die Serie jedoch nach der Pause schmerzlich wieder ein und die 8. Folge scheint das selbe Problem zu haben, wie der abschließende Kinofilm der Firefly-Serie. Zu viele lose Handlungsenden werden in zu kurzer Zeit beantwortet. Dass alle Folgen laut Autor in einem Rutsch geschrieben wurden, irritiert mich dabei sehr. Und der Hang zum Klischee kostet mindestens ein weiteres meiner 5 möglichen Eselsohren.

Inszenierung
Die Soundeffekte können sich mit den großen Serien messen. Der Titelsong klingt nach Star Treck und großen Gefühlen, die Explosionen, Kampfszenen und alle andere Action kommen genau so gut rüber wie die Außen- und Raumschiffkulissen. Und zu meiner Freude gibt es keine ach-so-realistischen Lautstärkensprünge.

Sprecher
Die Sprecher haben Potenzial. Es gibt - im Gegensatz zu anderen kleinen Produktionen - keine nervig-stimmverstellten oder übersorgfältig-sprechenden Performer, sondern angenehm markante Stimmfarben in den ersten beiden Reihen der Besetzung. Aber immer wieder wirken die Sprecher, als wüssten sie nicht, in welcher Situation ihr Satz gerade fällt. Ohne die Aufnahmesituation zu kennen, behaupte ich jetzt mal, dass es auch bei Stimmtalenten eine mitreißende Regie und die Muße zu mehreren Takes braucht, um Emotionen und Dramatik in die Stimmen zu bekommen. Mir scheint, das fehlte hier und so kommt es öfter mal zu einem Hörerlebnis, das an hakende Grafikkarten und schleichende Ladebalken erinnert. In zusammenhängenden Szenen spielen sich die Sprecher jedoch merklich frei und nehmen den Hörer wieder mit.

Fazit
Verglichen mit anderen Space-Operas hat die Serie nicht wirklich was Neues zu bieten - aber sie mixt altbekannte und beliebte Zutaten zu einem schönen Zeitvertreib.Allein für Käpt'n Moon und die Kaiserin hör ich dem Fortschritt der Handlung gerne zu. Im Gegensatz zu den sehr unterhaltsamen "Treffen sich zwei im Weltraum"-Episoden sind die Folgen der reinen Rahmenhandlung verzweifelt um Drama-Aufbau bemüht - und scheitern an den Ambitionen, riesige Gefühle in eine kleine, trotz allem charmante Serie zu pressen.

Trivia
Dane Rahlmeyer, der Autor schrieb die Episoden in einem Schwung und relativ am Anfang seiner Karriere. Anderes von Ihm kenne ich bisher nicht - abgesehen von "Rick Future", einer kostenlosen Hörspielserie, die das Thema von "Das dunkle Meer der Sterne" mit mehr Muße und Lust am Erzählen aber einem ähnlichen Hang zum Klischee umsetzt. Dort ist Herr Rahlmeyer seit Folge 14 als Co-Autor dabei.




Die einzelnen Folgen 
[may contain spoilers]
  • In (1) Ad Astra verschwindet Rufus Hunters Team vom Monitor der Bodenstation - ist das Team tot? Aus Mangel an Optionen und Furcht vor einem übermächtigen Gegner beschließt die Regierung, die Sternstraße zu zerstören. Wenn Kim und Käpt'n Moon den Großvater noch retten wollen, müssen sie vorher über den Transportweg in die "vergessenen Sektoren" vordringen. 
  • Schwer beschädigt gelangen sie tatsächlich auf die andere Seite. In (2) Jäger und Beute treffen Kim und Moon bei der Suche nach Ersatzteilen auf  Weltraumpiraten und das Mädchen merkt allmählich, dass so eine Suche in verwahrlostem Gebiet kein Zuckerschlecken wird. Vor allem, wenn man seinen Kumpanen noch gar nicht richtig kennt. 
  • Schließlich stoßen sie auf Spuren von Rufus Hunters Expeditionsteam. Sie treffen den (3) Hüter der Vergangenheit, der in einer Art riesigem Museum lebt und das Wissen vor dem Großen Zerfall zu rekonstruieren versucht. Ein Sammler allen Seins mit einer charmanten Tochter, die Kim zu gern zum Bleiben bewegen würde.
  • Ausgestattet mit einer Karte der Vergessenen Sektoren und der Hoffnung, Rufus lebend zu finden, geraten Vimana, Kim und Moon in (4/5) Dedalus ins Visier einer größenwahnsinnigen Kaiserin, die sich schon so manchen Planeten untertan gemacht hat und das Äquivalent der Weltherrschaft im All anstrebt. Vorteil der kleinen Weltraumtruppe: Imperiumserbe Jeremy hat ein Auge auf Kim geworfen. Schnell wird klar, dass hier die Macht aufgetaucht ist, die das Team von Rufus Hunter festhält. 
  • Natürlich müssen die Sternfahrer erstmal auf Abstand, um sich einen Plan zurechtzulegen. Gemeinsam mit dem unbeholfenen Prinzen Jeremy machen sie auf einer Weltraumstation halt, um sich mit Vorräten einzudecken. Doch Jeremys Eindringen in die Vimana-Gemeinschaft sorgt für Konfliktpotenzial und auf (6) Sanctuary läuft der Landgang natürlich nicht rund.
  • Dank Jeremy wissen Kim und Käpt'n Moon inzwischen, wo sie Rufus Hunter suchen müssen. Auf ihrem Weg dorthin werden sie jedoch zum einen von den Häschern der Kaiserin verfolgt und treffen auch noch auf  (7) Tiamat, ein Weltraumwesen, mit dem nicht zu Spaßen ist.
  • Angekommen an der großen Sternstraße im (8) Abadon-System heißt es nun: Sicherheitsvorrichtungen überlisten, Rufus einpacken, die Kaiserin aufhalten und nix wie ab nach Hause. Das klingt doch nach einem Kinderspiel, oder?