Mittwoch, 10. April 2013

Mittwochs-Rezi: Mieses Karma von David Safier

2 von 5 Eselsohren

Nun hab ich also endlich das Buch gelesen, dessen Titel ich so häufig zitiere, das Buch mit der Comic-Ameise vorne drauf. Den letzten Anstoß dafür gab mir die Lieblingsbücher-Challenge, die noch bis Juni diesen Jahres läuft.

Die Story von "Mieses Karma" ist einfach: die erfolgreiche Fernsehmoderatorin Kim Lange wird nach ihrem überraschenden Tod als Ameise wiedergeboren - im ehemals eigenen Garten - und versucht fortan zu Mann und Kind zurückzukehren. Es folgen diverse Inkarnationen und ein Happy End.

Ein Buch wie diese Romanzen in deutscher Produktion für die privaten TV-Sender. Lockerluftig geschrieben aber auch mit viel bemühtem Witz, ein wenig Herzerwärmung aber viele altbackene Klischee und an Blauäugikeit kaum zu überbieten.
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Setting
Kim Lange ist eine gestresste Mom@work. Im bissigen Showbiz unterwegs, mit einem frustrierten Hausmann und einer liebesbedürftigen Tochter zu Haus - zielstrebig auf dem Weg nach ganz oben. So weit, so emanzipiert.

David Safier gelingt es jedoch schnell, den Leser davon zu überzeugen, dass solche Karrierefrauen a) schlechte Partnerinnen b) schlechte Mütter c) schlechte Kolleginnen und demnach d) schlechte Menschen sein müssen. Eine geschickt gesetzte Affäre mit einem Kollegen und -schwupps- sind Kim Lange und der Leser davon überzeugt, dass eine Wiedergeburt als Ameise tatsächlich gerechtfertigt ist. Soweit, so unemanzipiert.

Und los geht's
Wir erleben diese Story aus Sicht von Kim Lange selbst. Erst lässt Safier sie bemüht selbstironisch ihren letzten Tag als Mensch rekapitulieren, dann beginnt er damit, die ehemalige Moderatorin mit ihrem neuen Ameisendasein zu konfrontieren. Als solche trifft sie natürlich zuerst auf Buddah (über den sie erstaunlich wenig weiß. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie als erfolgreiche Polit-Talkerin eine gut gepolsterte Allgemeinbildung vorzuweisen haben dürfte).

Nach ein paar netten "A Bug's Life"-Szenen trifft sie auf Casanova (in seiner x-ten Reinkarnation als Ameise) und schließlich auf ihre Familie, denn der Ameisenhügel befindet sich in ihrem ehemaligen Garten. Etwa die erste Hälfte des Buches verbringt sie damit, das Reinkarnations-Prinzip zu verstehen und sich - zusammen mit der venezianischen Liebhaberlegende - einen Plan auszutüfteln, wie man dem Leben als Ameise wieder entrinnen und im besten Fall zu einem Leben als Mensch zurückkehren könnte.

Endlich wird sie als Meerschweinchen wiedergeboren. Natürlich als das ihrer Tochter. Dann folgen einige Reinkarnationen im Schnelldurchlauf. Kitsch, dein Name sei Safier.

Der Gipfel
Die letzte Inkarnation der Kim Lange toppt dann jedoch alles und ist in meinen Augen Unterschichten-TV in seiner frechsten Form. Sie wird nämlich als Frau wiedergeboren. Also landet im Körper einer eigentlich gerade Verstorbenen. In Hamburg. In der Statur einer Cindy aus Marzan. Und - größte Überraschung des Jahrhunderts - diese Frau wurde geliebt, war glücklich trotz Geldmangel und war ein rundum besserer Mensch als die vermeintliche Idealfrau Kim Lange selbst.

Nach einigen  Episoden mit Heinz-Erhard-Film-Dramaturgie und Miss-Doubtfire-Momenten gibt es aber das obligatorische Happy End. Ganz glaubhaft findet Safier die Optik des attraktiven Mannes mit der dicken Frau an seiner Seite und dem hübschen Kind natürlich- aber was tut man nicht alles für gutes Karma. Auch mal Dicke glücklich schreiben. Ist ja schließlich ein Roman.

Fazit
Ja, das klingt richtig zynisch und verschnupft, was ich da schreibe. Und ich habe wirklich nochmal ein paar Tage ins Land gehen lassen, bevor ich mich hier so aufrege. Schließlich hatte ich doch Spaß beim Lesen. Schließlich ist es doch nur ein seichter Roman, den ich hier anprangere. Aber er ist eben nicht irgendein Roman. Er steht auf vielen Bestseller- und Lieblingslisten. Er wurde gelesen und wiedergelesen. Und er trägt meiner Meinung nach ein fatales Frauenbild in die Welt hinaus. Einen weiteren Safier werde ich jedenfalls nicht anrühren, denn ich nehme ihn ja offenbar viel zu ernst.