Mittwoch, 3. April 2013

Mittwochs-Rezi: Die Malfuria-Trilogie von Christoph Marzi

4 von 5 Eselsohren

Zwölf CDs Jugendfantasy von Andreas Fröhlich gelesen? Das reichte für mich als Kaufkriterium. Dank dieses Türöffners konnte ich nun Christoph Marzi und seine Geschichte um Malfuria entdecken. Die Geschichte um einen Kampf von Licht und Schatten und eine wilde Jagd von Barcelona nach Ibizza, über Madrid und Lissabon bis in die Sahara und über die bekannte Welt hinaus.


Was mir an ihr besonders gefällt: Marzi fährt nicht die einfache Gut/Böse-Schiene. Jede Figur und jede Partei der Geschichte treibt etwas an, jede Handlung wird früher oder später nachvollziehbar und nicht eine einzige Figur ist böse um des Bösen Willens. Das führt zu grandiosen Handlungsumschwüngen und zu wirklich klugen Sätzen.

Es sollte mehr solcher Jugendfantasy geben.





Die Trilogie spielt in einem Spanien, das mit Magie und Andeutungen von Steampunk durchdrungen ist. Sie beginnt in Barcelona, der singenden Stadt. Dort wird Catalina Soleado zur Kartenmacherin ausgebildet und spricht mit dem Wind. Soweit so idyllisch.

Dann kommen lebende Schatten und grausige Harlekine nach Barcelona und jagen Catalina aus ihrem alten Leben hinaus, in die Arme des Lichterjungen Jordí und hinein in das Abenteuer ihres Lebens. Am Ende des ersten Teils ist noch nicht viel gewonnen oder gar dem Leser klar. In einem Zwischenfinale, das die Begriffe von Gut und Böse erstmals bricht, wird Catalina von Jordi getrennt und findet Malfuria. Oder findet Malfuria sie?

Im zweiten Teil - der Hüterin der Nebelsteine - fährt die Handlung zweigleisig. Einerseits begleitet der Leser Catalina und Malfuria auf der Suche nach Antworten und nach Jordi. Andererseits folgen wir Jordi, der seine Erinnerungen an Catalina verloren und dafür die Gesellschaft eines fähigen Kapitäns gewonnen hat. Die Schatten beginnen, ihre Herrschaft auszudehnen und allen beteiligten ist klar, dass sie etwas dagegen unternehmen müssen. Am Ende steht eine Erkenntnis, die alles bisher Geglaubte in Frage stellt.

Der dritte Teil - die Königin der Schattenstadt - schließlich führt (wie es sich für eine gute Trilogie gehört) alle Fäden zusammen und Catalina zurück zu Jordi. Die Schatten bekommen ein Profil, eine Vergangenheit, eine Motivation und -ja! - es gibt ein sehr befriedigendes Ende.

Fazit:
Natürlich wäre es leichter einer Geschichte zu folgen, die Gut und Böse klar trennt. Aber es wäre nur halb so unterhaltsam. Marzi schafft es, in der Erzählspanne von drei Jugendbüchern eine Welt mit Tiefe und Facetten zu versehen. Er erzählt geschickt ganze Leben und spart sich die altbackene Schwarz-Weiß-Malerei.

Malfuria ist eine Trilogie über die Fähigkeit jedes Menschen, über sich selbst hinauszuwachsen und genau solche Geschichten sind es, die ich für wirklich wertvoll halte. Ein Eselsohr Abzug gibt es dennoch. Weil der erste Teil der Trilogie sehr langsam in Fahrt kommt und ich erst mit dem Hören von Teil zwei und drei die Dimensionen der Geschichte begreifen konnte. Mag der komplexe Zug von Plot auch etwas brauchen, um in Fahrt zu kommen - ich hätte mir zu beginn mehr Antriebskraft gewünscht.