Mittwoch, 24. April 2013

Mittwochs-Rezi: Die Herrin der Worte von Frances Hardinge


2 von 5 Eselsohren
"Ich will kein glückliches Ende. Ich will mehr Geschichten." Ein Buch über die Macht der Sprache? Natürlich hat mich das gereizt. 

Das Straßenmädchen Mosca und ihr Ganter (ja, eine männliche Gans) "Sarazene" gelangen in die große Stadt mit den Zwillingstürmen. Dort herrscht ein wahnsinniger Herzog - aber nur noch auf dem Papier. Stattdessen regieren hier die Gilden mit harter Hand. Schlosser, Schreiber, Wassermänner und eine Armee von Heiligen, die den Alltag der Menschen bestimmen - bis hin zum Namen. 
Kern der Story ist ein mittelalterlicher Religionsstreit. Die eine Partei glaubt an eine höhere Macht mit Alleinherrschungsanspruch, die andere an eine Vielfalt der Heiligen. Der findet allerdings erst kurz vor Schluss, in einem leidigen Abschlussmonolog seine Auflösung.


Der Roman mutet wie ein Mashup von "Der Brief für den König" und "Der magische Kompass" an. Spionage und Verschwörung im historischen Gewand mit Fantasy-Elementen. Wer ist gut? Wer will böses und auf welche Seite hat sich Mosca durch ihre Entscheidungen wirklich gestellt? Beinahe hätte das was werden können. Aber es gibt ein großes "Aber", das das Buch 3 Sterne kostet.
Ein Jugendbuch über die Macht des Wortes sollte sorgsam und verständig mit Sprache umgehen. Doch das ist hier nicht passiert. Immer wieder stolperte ich über seltsame, nur beinahe passende Worte, die mein Kino im Kopf störten. Da heißen Königstreue plötzlich ohne Nut und Feder "Royalisten" die Fährmänner "pullen" die Ruder und vieles in dieser Art mehr. Es ist nicht falsch - nur zu eloquent für ein Buch dieser Art. 
Zu pompös ist auch der Titel. Im Original lautet er dagegen "Fly by Night" und da die Heldin den Namen einer Stubenfliege trägt, wäre das passend - im Gegenteil zur deutschen ÜbeLsetzung.
Charmante Ideen wollten offensichtlich wortgewaltig und geschliffen zu Papier gebracht werden. Aber das Konstrukt ist überstrapaziert an der einen und unausgegoren an der anderen Seite. 
Ob das Original besser ist?