Mittwoch, 19. Juni 2013

Mittwochs-Rezi: Die Auswahl von Ally Condie

3 von 5 Eselsohren

Letztes Buch der Lieblingsbücherchallenge. Wieder der Start einer Teenie-Trilogie. Wieder eine Dystopie in der Utopie. Aber kein all zu großer Wurf.

Lois Lowry und ihr "Hüter der Erinnerung" lassen grüßen - zumindest mich. Da wird er also wieder aufgearbeitet, der scheinbar erstrebenswerteste Traum der perfekt geplanten Gesellschaft. Aber so wie Lowry's "Hüter" eine jugendgerechte Aufarbeitung von Orwells 1948 für die Kinder der 80 war, ist "Die Auswahl" eine Version für die Generation Bis(s) und Panem. Ally Condie versucht die Thematik leider so behutsam und bezuckert zu vermitteln, dass sie langatmig und nur halbkritisch wird.

Drei Sterne, weil ich denke, dass dennoch einigen Lesern der Einstieg in das sperrige aber spannende Genre schmackhaft gemacht wird. Solide ist dieser Plot nicht im Genre der Utopien, sondern in dem der Teenager-Romanzen. Da macht Condie gute Arbeit.





Setting
Die Handlung spielt in einer perfekt geplanten Gesellschaft. Eine höhere Instanz entscheidet, wer was wissen muss, wer wo lebt, was der Einzelne arbeitet, isst, lernt, anzieht, wen er liebt. Ein Austausch zwischen den einzelnen Provinzen findet nur im Sinne eines gesunden Genpools statt.Gleichheit ist das höchste Gut. Bloß nicht aus der Masse hervorstechen! Auch das Gedankengut wurde bereinigt - nur ausgewählte Gedichte, Erzählungen, Kompositionen u.s.w. wurden der Vernichtung vorenthalten. Die Menschen sind fit, es gibt keine Krankheiten mehr und mit 80 wird planmäßig gestorben.

Das Mädchen Cassia ist unsere Identifikationsfigur. Sie verliebt sich, zweifelt, küsst zum ersten - zweiten - dritten Mal, wird erwachsen, hinterfragt die Gesellschaft. Anomalien kreuzen ihren Lebensweg und die heile, glatte Welt bekommt Risse in ihrer Fassade.

Knackpunkt Weichzeichner
Wie gesagt: "Der Hüter der Erinnerung" lässt grüßen. Aber ich denke, dass der Schrecken von "Kein Risiko, keine Sorgen, keine Wahl, keine Freiheit" tatsächlich für jede Generation neu erzählt werden kann und ich finde es schön, dass Condy dies versucht hat. Sie brezelt das Thema mit einer Dreiecksbeziehung auf und entzerrt den Schrecken von 1 auf 3 Bücher. Der Effekt ist leider ein starker Weichzeichner.

Knackpunkt Protagonistin
Cassia grübelt sehr viel. Dabei sind ihre Konflikte anfangs recht glaubwürdig, gegen Mitte hatte ich aber das Gefühl, dass der erzählerische "Zoom" auf die Persönlichkeit irgendwie stecken blieb. Alles wird als Fassade, Kulisse, Pappmaché erkennbar. Die Gedanken scheinen entweder zu groß für Cassias Horizont oder zu simpel und kleinteilig. Wo bleibt das Entsetzen, wenn die eigene Welt auseinanderbricht? Wo der Schrecken? Wo die Rebellion?

Fazit
 Wie eine vielversprechende Skizze für ein Ölgemälde, das niemals fertig wurde erscheint mir dieses Buch. Ich habe mir nach der Lektüre die Rezensionen zu den Bänden 2 und 3 angesehen und ich denke nicht, dass ich sie lesen werde. Viele scheinen meinen Endruck einer ausgewalzten und dennoch nur halbfertigen Story zu teilen.

So werde ich Cassia und Ky an dieser Stelle wieder verlassen. Allen, denen der Ansatz von Condie gefallen hat, sei Lois Lowry ein drittes Mal an dieser Stelle sehr empfohlen. Und Orwell denen, die es düster mögen. Und Huxley mit seiner "Schönen neuen Welt" ebenfalls. Das Thema ist wirklich vielfältig abgearbeitet worden und oft besser als in "Die Auswahl".