Mittwoch, 12. Juni 2013

Mittwochs-Rezi: Die Beschenkte von Kristin Cashore

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4 von 5 Eselsohren

Endspurt in der Lieblingsbücher-Challenge. Oder vielmehr "Nachklapp". Zwei von vorgenommenen 12 Büchern fehlten mir zum Ablauf der Frist, dem 01.06. noch. "Die Beschenkte" ist Buch nummer 11 innerhalb der Challenge.

Ein echter Schmöker. Nach 24h hatte ich es durch. Ein mitreißender und stilistisch schöner Jungendroman. Wenn er auch an einigen Basispunkten etwas einfach gestrickt ist, sind die Helden doch lebensechte Persönlichkeiten und das sticht alles.

Am meisten beeindruckt hat mich an diesem Buch, dass die Autorin sehr realistisch die Gedankenwelten von verkopften Teenagern zu schildern weiß, ohne das die Denkenden hölzern oder unsympatisch wirken. Immer wieder habe ich laut gelacht, denn der Schalk sitzt den Figuren im Nacken.

Ich bin gespannt auf die weiteren beiden Bände, die hoffentlich bald via Tausch in mein Regal wandern werden.


Das Setting
In einem fiktiven Land, bestehend aus sieben Königreichen gibt es das Phänomen der Beschenkten. Menschen, die auf beschränkten Spezialgebieten zu übermenschlichen Leistungen fähig sind. Das Volk fürchtet sie, die Könige benutzen sie. Die Reiche befinden sich nicht in einem offenen Krieg, doch Grenzstreitereien, Spionage, Intrigen und Machtgehabe werden auf dem Rücken der einfachen Bürger ausgetragen.

Der Leser lernt diese Welt durch die Augen einer Beschenkten kennen - und nicht irgendeiner. Das Mädchen Katsa ist die Nichte eines der Könige und scheinbar mit der Gabe des Tötens beschenkt. Von ihrem machthungrigen Onkel wird sie als wirksames Druckmittel eingesetzt. Doch ihr Gewissen beginnt sich zu regen und seit einiger Zeit ist sie der Kopf eines grenzüberspannenden, subversiven Widerstandes.

Wir steigen an dem Tag in die Welt ein, als Katsa den Großvater eines der Könige aus einem Verließ entführt und auf ihrer Flucht einem seltsamen Beschenkten begegnet, der sie sofort in ihren Bann schlägt. Aber warum entführt jemand einen wehr- und machtlosen Ahnherrn?

Der Spannungsbogen
In drei Teile aufgegliedert ist dieser erste Band der Trilogie niemals langweilig. Katsa wächst im Laufe der Geschichte an immer neuen Herausforderungen und der Leser erschließt sich an ihrer Seite nach und nach den Kontinent, seine Landschaft und Politik. Geschickt erweitert die Autorin den Fokus, doch nie wird die Handlung hoffnungslos, pessimistisch, überfordernd. Bei den kleinen und großen Showdowns wird Kristin Cashore nur ein wenig pathetisch. Gerade so viel, dass es ein Hochgefühl oder Mitfiebern weckt. Herrlich!

Die Kritikpunkte
Die Motive und Mechaniken der Intrigen bleiben nicht lange im Dunkeln. Die wichtigen springen dem Leser regelrecht ins Gesicht, den Rest bekommt man mit ein wenig Schlussfolgern und Mitdenken hin. Und so kann man die Handlung ganz entspannt mitverfolgen, denn man weiß, wohin sie führen wird.

Nie ist ein Gegener absolut übermächtig, keine Situation tiefschwarz, kein Hinderniss unüberwindbar.
Das erscheint mir etwas weichgewaschen - andererseits mag ich diese Art des Weichzeichners sehr gern. Streckenweise fühlte ich mich bei der Erzählweise an Mio, mein Mio!, Märchenmond und Ein Brief für den König erinnert - durch die selbstbewusste Heldin auch an den Spiegel von Kajx. Selten ist die Deus Ex Machina weit, oft gibt es sympathische Helfer und Gefährten und gibt es sie einmal nicht, so ist die Protagonistin aus sich heraus allem gewachsen. Ein rundum beruhigendes Gefühl - jedoch weitgehend ohne Dramatik.

Die Karte vornan hätte man sich sparen können. Das Land als quadratische Halbinsel mit geraden Bergen und wenigen Städten, dazu eine vorgelagerte Insel - sich das vorzustellen wäre bei den Beschreibungen fehlerfrei und detailverliebter im Kopf des Lesers geschehen.

Fazit
Das Besondere an dem Buch sind für mich die Persönlichkeiten der Figuren. Katsa wirkt auf mich authentisch. Weder künstlich verkompliziert, noch schwärmerisch verdummt - sie ist einfach ein Mädchen mit besonderen Fähigkeiten. Ihre Romantik ist nicht zu verkitscht, ihre Verliebtheit nicht zu zuckrig. Stattdessen gelingt Kristin Cashore die glaubhaufte Darstellung der Ängste, Selbstzweifel, Hoffnungen und Hochgefühle, das Leben so mit sich bringt. - Ein wirklich schönes Jugendbuch!