Mittwoch, 21. Dezember 2011

Mittwochs-Rezi: Der Wolkenatlas von David Mitchell

5 von 5 Eselsohren

Ich traf dieses Buch dank eines dieser Momente, die ich an an Buchhandlungen so liebe. Ich stöberte durch die Auslagen und plötzlich wurde mein Blick von einem Cover gefangen. Der Rückentext las sich gut, die Augen der Buchhändlerin leuchteten begeistert als ich sie um Rat fragte und spontan kaufte ich "Der Wolkenatlas".


So stieß ich also durch Zufall auf einen wundervollen Autor und ein faszinierendes Buch. Ein Meisterwerk an verschiedenen Stimmen und Erzählstilen. Ein Epos über Jahrtausende hinweg. Packend, liebenswert, abwechslungsreich und horizonterweiternd zugleich.

Es ist ein Schachtelbuch. Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte - und da sie ineinander gebettet sind, brechen sie jeweils in der Mitte ohne Vorwarnung - meist mitten im Satz - ab und werden in umgekehrter Reihenfolge beendet. Das irritiert beim Lesen zu Beginn sehr - doch lässt man sich auf die Erzählweise ein, gibt es nichts Spannenderes. 

Der Arzt in der Karibik um die letzte Jahrhunderwende, der überschuldete Brite in den Niederlanden in den 1930ern, die Enthüllungsjournalistin in den 70ern, der zwangseingewiesene Verleger in den 90ern, ein inhaftierter Arbeitsklon irgendwann um 2030 und ein Insulaner nach dem totalen Kollaps weit in der Zukunft - sie rezipieren die Geschichte des jeweils vorigen, sie werden im Konsumieren unterbrochen und ihre eigene Geschichte beginnt.

Mitchell schafft es, für jede einzelne Zeit eine komplett eingene Sprache, einen eigenen Stil zu kreieren. Glaubwürdig, spannend, mutig und bis ins Letzte schlüssig. Und natürlich werden die Geschichten alle zu Ende erzählt. Also nicht verunsichert abbrechen sondern sich von den Erzählungen berauschen lassen.

Erschienen bei Rowohlt, ISBN 9783498044992

Nachtrag vom 31.7.12:
Hier ist übrigens der Trailer zur Verfilmung. Ich bin freudig-überrascht und irre gespannt auf den Film!