Sonntag, 25. Dezember 2011

Weihnachtsrituale (7): Die Rauhnächte

Heute morgen habe ich mir meinen Traum aufgeschrieben. Viele Menschen führen ja durchgehend ein Traumtagebuch, versuchen luzid zu träumen oder aus ihren Phantastereien irgendwie anders schlau zu werden. Das habe ich ausprobiert und für nicht gut befunden. Doch einmal im Jahr mache ich mir den Spaß. Grund ist ein alter Aberglaube. Die Rauhnächte. Diese beginnen je nach gefühlter Zeit (aber dazu später mehr) frühestens am 21. Dezember (Wintersonnenwende / Thomasnacht) und enden spätestens am 6. Januar (Dreikönig).

Nach alten Riten soll man in dieser Zeit möglichst nicht arbeiten und nur feiern.  Denn an diesen "heiligen Tagen zwischen den Jahren" sind Magie / Segen / Anderswelten so nah wie niemals sonst. Als "Nacht" wird dabei der ganze Tag angesehen - weil diese Zeit im Ganzen als Jahresnacht angesehen wurde. Ich empfinde die Zeit jedes Jahr als "aus der Welt" und finde es wundervoll, wenn man sich tatsächlich die Zeit nimmt, sein Jahr zu ordnen, Freunde und Familie zu treffen und grundsätzlich Ruhe einkehren zu lassen.

Neben vielen Orakelfunktionen und Magiegerüchten gefällt mir vor allem eine Idee:
Jede Nacht zwischen dem 25. Dezember und 6. Januar sagt der Traum die Tendenz  eines Monats des nächsten Jahres voraus. Es entspricht also die Nacht...
  • zum 25. = Januar
  • zum 26. = Februar 
  • zum 27. = März
  • zum 28. = April
  • zum 29. = Mai
  • zum 30. = Juni
  • zum 31. = Juli
  • zum 01. = August
  • zum 02. = September
  • zum 03. = Oktober
  • zum 04. = November
  • zum 05. = Dezember
  • zum 06. = Huch!
Die dreizehnte Nacht stammt noch von den Kelten - die hatten einen "Schaltmonat" und somit alle 3 Jahre 13 Monate. An dieser Stelle merkt man besonders, wie sich die alten Riten und das Christentum vermischt haben - ein Umstand, den ich sehr spannend finde.

Eine esoterische Seite spricht in dem Zusammenhang auch von der individuellen Dauer einer Rauhnacht und dass es sein kann, dass manche Tage/Nächte sich wie nur eine anfühlen - Dies ist für mich definitiv beim 31./1. der Fall. Und so verschiebe ich meine Aufzeichnungen dann immer um einen Tag nach hinten, dass ich in der Nacht zum 6. "für Dezember" träume. ;)

Aberglaube hin oder her - ich finde, dieser Brauch passt genau in die Zeit "zwischen den Jahren" mit seinen Rückblicken und Vorsätzen, Anfängen und Abschlüssen. Und zudem macht es mir immer richtig Spaß die "Prophezeiungen" des letzten Jahres zu lesen. Was hat mich damals umgetrieben? Welche Hoffnungen und Ängste waren gerade Thema? Diese Dinge sind unmittelbarer zu erkennen. Spannend, finde ich!