Mittwoch, 15. August 2012

Mittwochs-Rezi: Die Gilde der schwarzen Magier von Trudi Canavan

3 von 5 Eselsohren

Viele haben mir erzählt, ich müsse diese Trilogie unbedingt lesen. Die Cover mit der Robengestalt haben mich allerdings nie wirklich angezogen und so wurde das Ausleihen oder Kaufen immer wieder verschoben. Im Urlaub kam ich dann bei einer Freundin an den ersten Band als Hörbuch. Offensichtlich (zu) stark gekürzt, motivierte er mich, für Band 2 und 3 auf die Bücher umzusteigen. Ich wurde mit guter Unterhaltung belohnt.


Trudi Canavan erfindet zwar nicht das Genre neu und greift auch sehr oft auf etablierte Stereotypen zurück, doch schreibt sie wirklich schön zu lesende und gut durchkonstruierte Bücher.

In einer mittelalterlichen Welt begleiten wir Sonea, ein Mädchen aus den Slums, bei ihrer Ausbildung zur Magierin. Missverständnisse, Intrigen, Standesdünkel und eine bedrohliche Verschwörung sorgen für ordentlich Zündstoff. Die Figuren sind sympatisch, die Umgebung hat Atmosphäre und die Handlung ist spannend - was will man mehr?




Die Rebellin
Jedes Jahr "reinigt" der König mit Hilfe seiner Magier-Gilde die Stadt von "Abschaum". Arme, Schwache und Kleinkriminelle verlieren auf diese Weise ein leidlich gutes zu Hause und ziehen in "die Hütten" vor den Stadtmauern. Auch die 17jährige Sonea mit ihrer Familie lebt in diesen Slums.

Das Buch setzt ein, als das Mädchen - sehr publikumswirksam - magisches Potenzial entwickelt. Dann begleitet die Geschichte Sonea bei ihrer Flucht vor den gefürchteten Magiern. Dabei lernt der Leser die Stadt und ihre Eigenheiten kennen und wird auch in die Machtgefüge der Slums eingeführt. Parallel dazu wird aus Sicht der Magier erzählt, welche Sonea aus wirklich guten Gründen finden wollen. Und schon wird aus dem scheinbar simplen "Gut gegen Böse - Sonea gegen Magier" ein verschachteltes Bild.

Der Leser erkennt, dass das brutale Gesicht der Kriegsmagier, welches Sonea kennt, nur ein Part einer umfassenden Gelehrtenklasse ist, die in der Gilde Wissen aller Art bewahren und ausbauen. Die komplizierten politischen Verhältnisse zwischen Adel und Magier-Universität haben eine ganz eigene Sprengkraft. Die Sicherheit des Reiches gründet sich auf der Macht der Magie und als Teil des politischen Gefüges werden nur Mitglieder der herrschenden Klasse in die Gilde aufgenommen. Eine mächtige Magierin aus den Slums ist somit ein echtes Problem.



Die Novizin
In diesem Buch erweitert Canavan den Horizont der Erzählung von der kyralischen Hauptstadt Imardin hin zum Staatenbund, dem die Magiergilde Kyralias dient. Sie führt ein in die Historie, die Kulturen und die Unterschiede zwischen den verbündeten Ländern - allerdings nebenbei. Die Geschichte verfolgt grob gesagt drei Handlungsstränge.

Erstens begleiten wir Sonea bei ihrer Ausbildung in der Schule der Magier. Zweitens beobachten wir den jungen Magier Dannyl bei seinen Erlebnissen als neuer Botschafter der Gilde im Ausland. Und Drittens verfolgen wir die Ermittlungen der Gilde und der Diebe in einer langen und rätselhaften Mordserie in Imardin.

In diesem Band kommt echte Potterstimmung auf. Dank der eingängigen Persönlichkeiten der einzelnen Figuren kommt es auch beim stetig wachsenden Personal in diesem Band nicht zu Verwirrungen. Canavan erweitert die Personaldecke, hält aber alle bekannten Figuren suverän im Spiel. (Stereotypen haben eben auch ihre Vorteile.) Glaubhaft und spannend wird dabei das Geheimnis um die Vergangenheit der Gilde und ihr Verhältnis zur schwarzen Magie von allen Seiten angegangen und langsam enthüllt.



Die Meisterin
Die Karten liegen auf dem Tisch und nun geht es ums Ganze. Nachdem Sonea in Band 2 hinter die Beweggründe des Hohen Lords gestiegen ist, schwarze Magie zu verwenden, muss sie sich jetzt den vollen Konsequenzen daraus stellen. Taktisch durchdacht lässt Canavan alle Figuren in den ihr eigenen Charakterschwächen handeln und ganz Kyralia schlittert in einen fatalen Konflikt.

Beginnt die Geschichte noch in der Universität, wird Sonea bald gezwungen, das Land zu verlassen. Aus potteresker Jugend-Mittelalter-Fantasy wird schnell ein düsteres Finale durchsetzt von Sex and Crime. Der Leser lernt mehr über das verfeindete Sachaka und sieht sich bald einem aussichtslosen Krieg mit dieser Nation gegenüber.

Jetzt beginnt sich Canavans durchkonstruierter und etwas stereotyper Erzählstil zu rächen. Die Figuren sind allesamt sehr kopflastig geraten, so dass impulsives Verhalten und Meinungsumschwünge, die der Plot braucht, nicht ganz authentisch wirken. Das Ende kommt dann nach einem absehbaren Showdown dann doch sehr hoppla-di-hopp. Zwar ist ein großer Abschnitt der Geschichte tatsächlich zu Ende erzählt, doch das Interesse an Soneas Schicksal und das der Gilde ist nicht völlig befriedigt. Schön, dass eine weitere Trilogie Canavans (im Deutschen "Sonea" betitelt) dort anknüpft.



Zur Hörbuch-Umsetzung
Martina Rester macht als Vorleserin einen wunderbaren Job. Sie verleiht allen Figuren soviel Gefühl, spricht alle erfundenen Namen mit einer angenehmen Selbstverständlichkeit und erzählt, dass man gar nicht mehr aufhören möchte, zu lauschen. Deswegen ist es doppelt schade, dass die Lesungen gekürzt sind. Ach was "gekürzt" - skelettiert.

Im ersten Band merkt man es als unvoreingenommener Höhrer kaum. Doch im zweiten Band wird es auffällig. Hier wurde die Story fast gänzlich auf Soneas Handlungsstrang reduziert - und das raubt der Geschichte einfach die Seele. Für Teil drei ist mir meine Zeit zu schade. Um die gute Leistung der Sprecherin ist es wirklich schade.

Als Taschenbuch bei cbt
Band 1: ISBN 9783570305911
Band 2: ISBN 9783442243952
Band 3: ISBN 9783442243969