Mittwoch, 29. August 2012

Mittwochs-Rezi: Die drei Fragezeichen 155 - und der Meister des Todes

4 von 5

Kari Erlhoff, die Sechste! Die Autorin haut ja eine Folge nach der anderen raus und so langsam beschleicht mich der Verdacht, dass ich ihre Geschichten mal in Buchform lesen sollte. Sie scheinen immer sehr komplex angelegt zu sein - vielleicht zu komplex für ein Hörspiel?


Die 155. Folge jedenfalls unterhielt mich mit einer vielversprechenden Grundidee, netten Quer- und Nostalgieverweisen und einem durchaus logischen sowie spannenden Plot. Andererseits irritierte sie mich jedoch mit reichlich im Ansatz verebbendem Grusel und einer unnötig dichten Personaldecke. Wie schon in der letzten Folge von Erlhoff halten sich hier also die "Yey!"-Momente und die "WTF?!"-Momente die Waage.

Die Story ist jedoch logischer als in der "Botschaft aus der Unterwelt" und das Setting besticht. Grund genug, dass diese Folge bereits mehrfach im Player lag. Hörenswert.



Setting und Handlungsverlauf
Die drei Detektive nehmen an einem Filmprojekt teil. Warum und in welchem Rahmen, das bleibt offen. Nur so viel: Für einen Wettbewerb wird ein Horrorfilm gedreht, man spricht vom Besuch wissenschaftlicher Kurse und ein Teammitglied wurde von der Projektbetreuerin zwangsverpflichtet. Ehrlich gesagt finde ich das etwas dünn für eine Plotgrundierung. Doch die folgende komplexe Handlung verlangt Opfer. Stante pede zieht das Team von der Uni/Schule/Spielstätte in ein Gruselhaus - mit Übernachtung.

Ein Setting, wie geschaffen für eine Fragezeichenfolge. Das Haus ist die ehemalige Wohnstatt des "Meisters des Todes". Dort wimmelt es vor mutmaßlich verfluchten Marionetten. Es folgen: Justus als Schlafwandler, Stimmen aus dem Nichts, Botschaften von Geisterhand und eine gefährliche Erbschaft. Bis am Ende alles eine klassische DDF-mäßige Auflösung erfährt, bekommt der Hörer für meinen Geschmack viel zu viel Stoff um die Ohren gehauen.

Inszenierung und Sprecher 
Das Flair eines alten Hauses voller großer und antiker Marionetten verspricht viel, wird aber in keiner Weise ausgereizt. Die Geschichte hätte auch rund um alte Gemälde spielen können, oder um Vasen oder um Münzen - es hätte für mich keinen Unterschied gemacht. Der subtile Grusel menschenähnlicher Puppen an Fäden bräuchte mehr Zeit zur Entfaltung als das Hörspiel ihm zuspricht. Schade, denn hier läge viel Potential.

Ein weiterer Spannungsansatz wäre das Zusammenspiel im Team, aber die Blässe durch hastiges Erzählen setzt sich bei den Charakteren fort. Und statt mitreißender Dialoge und Konflikte gibt es folgerichtig nur zusammengewürfelte Wortwechsel, deren Ideen im Ansatz stecken bleiben. Die Sprecher kommen nie wirklich in Schwung, auch wenn die Besetzung wirklich top ist - für echtes Zusammenspiel jenseits des Detektiv-Trios bleibt kaum Zeit.

Wo ist der Erzähler? 
Er hält sich merklich zurück. Das erste mal taucht er im Track 2 auf - nach 6 Minuten Hörspiellaufzeit. Die meisten anderen Szenenwechsel setzt er aber aus. Muss das sein? Ok, die Zeiten eines kommentierenden Erzählers sind seit Peter Passetti vorbei und die eine oder andere Folge fiel unangenehm mit epischen Beschreibungen in bester Hörbuchmanier auf, da möchte man wohl gegensteuern.

Aber eine als atmosphärisch angelegte Kulisse fast komplett ohne Erzähler einzuführen, finde ich schlichtweg verschenkt. Und die Musik kann da leider am Flair nicht genug reißen. Dieser Trend ist mir bereits vor einigen Folgen - in der "Schwarzen Sonne" böse aufgestoßen und ich hoffe, dass die Regie da bald wieder eine ausgeglichenere Aufteilung findet.

Fazit
Mein Poesiealbum-Spruch für die Serienentwickler und die Regie: "Weniger ist mehr". Schon wieder liefert das Duo Körting/Minniger ein überfrachtetes Hörspiel, das gut und gern für zwei Folgen gereicht hätte. Dennoch - "Die drei Fragezeichen und der Meister des Todes" ist eine intelligente Folge mit guten Handlungsansätzen, Grusel-Elementen und netten Fan-Ideen. Das ist etwas mehr als die halbe Miete einer Knaller-Folge, aber leider nicht die ganze. Die Überfrachtung finde ich ärgerlich, doch dank logischer Handlung ohne Patzer und Kratzer ist es trotzdem eine Folge zum Mehrfachhören.