Mittwoch, 23. Januar 2013

Mittwochs-Rezi: Die Elfen - Hörspielserie bei Folgenreich

4 von 5

Das Buch "Die Elfen" von Bernharnd Hennen hat mich damals überrascht und begeistert. Dort kommt echte Tolkien-Atmosphäre auf - ganz ohne den Beigeschmack von Abklatsch. Es hat etwas Episches und dennoch sind die Figuren mit Tiefe und Seele versehen. Daher war ich schwer gespannt, als Folgreinreich verkündete, auf Basis des Folgebandes "Elfenwinter" eine Hörspielserie zu machen.


Nach den ersten 5 Folgen kann ich die Serie den Tolkien- und Fantasyfans unter euch sehr empfehlen. Es sind zwar anspruchsvolle Hörspiele und Kindern würde ich sie nicht geben, aber die Altersempfehlung ist auch "ab 12 Jahren". Das jedoch kennt man vom Lable Folgenreich, die mit "Dorian Hunter", "Jack Slaughter" oder auch "Van Dusen" und "Don Harris Psycho Cop" tendenziell keine Serien für zarte Seelchen im Programm führen. Die Sprecher, Inszenierung und Effekte haben jedoch durch die Bank eine sehr gute Qualität.

Erschienen ist die Elfen-Serie bei Folgenreich.

Spannend und hoch-professionell - aber "mal eben" hört man die Serie "Die Elfen" nicht (und diesem Umstand ist auch das eine fehlende Eselsohr geschuldet) Für die Leser der Hennen-Bücher sind sie jedoch eine echte Freude.




Vorlagentreue
Elfenwinter habe ich bisher nicht gelesen und meine Lektüre von "Die Elfen" liegt jetzt gute 5 Jahre zurück. Deutlich wurde mir, dass Elfenwinter ganz ohne die Kenntnis von "Die Elfen" nur halb so viel Spaß macht. Die Handlungen sind eng verflochten und bauen aufeinander auf. Einige Namen ließen Persönlichkeiten auferstehen und vieles, auf das nur Bezug genommen wurde, kam mir vage bekannt vor. Vielleicht setze ich ja zu einem Re-Read des ersten Bandes an, nehme mir sogar die ganze Reihe vor - Lust darauf gemacht haben die Hörspiele auf jeden Fall.




Erzählweise
Wer eine Hörerführung á la "Die drei Fragezeichen" gewöhnt ist, wird es Anfangs schwer haben. Der Erzähler der Hörspiele ist ein weiser Elf, für den die Handlung ein weit zurück liegender Bestandteil der Chroniken seiner Welt ist. Dennoch wird nicht rein in Rückblenden und auch nicht durchgehend vom Elf geleitet erzählt. Auch innerhalb der Erzählung des Chronisten blenden einzelne Figuren zurück, gibt es Zeitsprünge und Perspektivenwechsel.

Ein weiterer Stolperstein: die Serie hält sich kaum mit Szenenbeschreibungen oder Hintergrunderklärungen auf. Figuren, ihre Positionen und Verhältnisse von Figuren werden nicht explizit vorgestellt. Da die Buchvorlage ein Band 2 ist und selber schon Wissen voraussetzt, wird es an dieser Stelle knifflig.

Vielleicht ist das auch der Kürzung des Kloppers zuzuschreiben. Nicht auf den politischen Intrigen, und schicksalshaften Verflechtungen liegt der Hörspiel-Fokus, sondern auf den Schlachten und der Action. Das für die Handlung Wichtige lässt sich beim aufmerksamen Hören durchaus aus den Dialogen und dem Kontext schließen.

Die Hörspiele sind also im Elfen-Universum von Hennen verortet, erscheinen mir jedoch wie kurze Annimationen von exemplarisch gewählten Szenen. Das man dennoch mit den Figuren leidet und hofft, ind die Handlung findet und ein gutes Bild der Persönlichkeiten bekommt, spricht für die Leistung von Script-Autor Dennis Erhardt und für die Sprecher.



Inszenierung
Es kracht und fetzt, stirbt und brüllt, flucht und schreckt - kurz: die Tonspur ist sehr Peter-Jackson-mäßig. Dem Konzept folgt auch die musikalische Untermalung, bewegt sich also irgendwo zwischen Wagner und Shore. Damit ergibt sie einen Klangteppich, der locker die Gegenwart des Hörers aus dem Hirn blendet.

Die ein-zwei erotischen Szenen möchte ich extra erwähnen, da sie mich etwas irritiert haben. Sie haben Gott sei keinen Softporno-Beschreiungskitsch und sind unkommentiert sehr lebensecht inszeniert. Ich war bisher lange Strecken mit Gestöhne und Gekeuche von Hörspielen nicht gewohnt und war in dem Moment ganz froh, die Folgen allein und nicht z.B. beim Basteln mit meiner Schwester zu hören. Doch ich geben zu: sie gehören bei diesem Genre wirklich dazu und hätten im Gefühlsteppich gefehlt.





Die einzelnen Folgen mit Links zu den Folgenreich-Beschreibungen:

01 - Der Untergang von Vahan Calyd


02 - Firnstayns Kinder



03 - Königstein

04 - Der Fluch des Schicksalswebers

05 - Elfenwinter


Die Hauptfiguren und die Besetzung

Alfadas: Sascha Rotermund
Asla: Dagmar Dreke
Kadlin: Lilli Martha König
Ulric: Philipp Draeger
Lambi: Dirk Hardegen
Gundar: Christian Schult
Ole Ragnarsson: Andreas Mannkopff
Halgard: Carla Sachse
Kalf: Martin May

Meister Alvias (Erzähler, Elf): Helmut Zierl
Emerelle (Elfe): Daniela Hoffmann
Silvyna (Elfe): Cathlen Gawlich
Ollowain (Elfe): Bernd Rumpf
Orimedes (Kentaur): Martin Keßler

Branbart (Trollkönig): Douglas Welbat
Skanga (Troll-Zauberin): Luise Lunow
Birga (Troll-Zauberin): Simona Pahl
Dumgar (Troll): Jan-David Rönfeldt
Orgrim (Troll): Tilo Schmitz