Mittwoch, 13. Februar 2013

Mittwochs-Rezi: Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano

1 von 5 Eselsohren

Nach den tollen Tagen, sozusagen als emotionalen Ausgleich, hab ich zur Abwechslung mal einen Verriss für euch.

"Die Einsamkeit der Primzahlen" kostete mich einen Sonntagnachmittag und viel gute Laune.Was immer euch andere über dieses Buch erzählen, ich las eine kalt erzählte Nebeneinanderstellung von zwei scheiternden Leben. Eines davon das einer Magersüchtigen. Aber um die Krankheit geht es nicht wirklich. Die ist nur eine Macke von vielen.



Es geht darum, dass bei beiden Leben ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit (etwa mit sieben Jahren) nie überwunden wird. Es geht darum, dass alle sozialen Sicherungen versagen: Eltern, Lehrer, Freunde, Verwandte. Es gibt keinerlei Liebe, nur Verzweiflung. Es gibt nicht einmal den Hinweis auf einen positiven Ausweg, der dann nicht eingeschlagen wird. Hoffnungslos. Verdammt.

Das gefällt mir nicht. Und mir gefällt auch nicht, dass ein Buch mit dieser Stimmung die Bestsellerlisten und das Kino stürmt.  Mag sein, dass diese Gefühlskälte, Verzweiflung und das Scheitern Teil unseres Lebens sind, aber von guten Büchern verlange ich, dass sie die Welt ein bisschen besser machen - und sei es nur, indem die Leser motiviert werden, zu helfen, zu lächeln, zu verändern. Hier aber werden die Leser nur eins: verzweifeln.



"Nüchtern" loben die Kritiker. Gut formuliert ist der Roman wirklich, doch er ist so voller gescheiterter und auswegloser Lebensabschnitte, dass ich die Personen packen und schütteln wollte, um sie zur Vernunft zu bringen.

Gefühlskalte Eltern, versagende soziale Bindungen, fehlende positive Personen. Was Giordano da so kunstvoll inszeniert ist nur die Schwärze des Lebens. Am katastrophalsten finde ich die unterschwellige Botschaft. Die Protagonistin ist eine Magersüchtige seit dem Teenager-Alter, trägt das mit sich herum als wäre es so was wie Diabetes - zwar störend und unkontrolliert vielleicht lebensbedrohlich, aber hier nur ein Makel, ein Charakterzug. Das Buch verlässt sie als sie Mitte 30 ist - ohne dass sie eine Therapie gemacht, oder ihrer Magersucht anders den Kampf angesagt hat.

Vielleicht mag ich einfach nur keine Melodramen. Ich lasse ab jetzt die Finger davon. Ich hoffe nur von Herzen, dass die Menschen, die dieses Buch gut finden, einen Ausweg und ein Licht am Ende des Tunnels sehen, glücklich sind oder werden und Schluss.

Nur noch eine Frage an die Buchcover-Gestalter: Ist euch wirklich nichts besseres eingefallen? Tsss.