Mittwoch, 20. Februar 2013

Mittwochs-Rezi: Skippy stirbt von Paul Murray

5 von 5 Eselsohren

Willkommen auf dem irisch-katholischen Jungen-Internat Seabrook. Willkommen mitten in der Pubertät. Willkommen in einer sprachlich auf den Punkt gebrachten Erzählung von Paul Murray. Das Personal ist durchwachsen. Alte Pater, blutjunge Lehrer, verkorkste Schulchaoten, zusammengewürfelte Sonderling-Cliquen und natürlich Mädchen.

Sie alle versuchen, das Schuljahr gut zu überstehen - entgegen aller Wahrscheinlichkeiten. Denn die Pubertät ändert den chemischen Cocktail in der Versuchsanordnung "Schule" und dann reicht schon das Zerspringen eines einzigen Reagenzglases, um das Experiment nach allen Regeln der Kunst hochgehen zu lassen.

Drei Taschenbücher im Schuber

Dabei wird Murray nicht surreal oder karrikierend. Er erschafft keine Realität, sondern komponiert, was jeder beobachten kann, zu realistischer Erzählkunst.

Ist "Skippy stirbt" ein Jugendbuch? Ja, schon. Es nimmt seine Figuren und seine Leser ernst. Verkitscht nicht, belehrt nicht, verkauft niemanden für dumm, ist trittfest im Vokabular. Aber die Leistung des Autors, Perspektiven, Sprache und Denkwelten der Beteiligten auf den Punkt genau einzufangen, kann man wohl erst jenseits der Pubertät würdigen.






Aufteilung
Der Roman gliedert sich in drei Einzelbände. Hopeland, Heartland und Ghostland. Er beginnt damit, das Skippy tatsächlich stirbt und springt dann an den Beginn des Schuljahres zurück, steigt nach und nach ins "Biotop Jungeninternat" ein. Wir erleben die Vorgeschichte von Skippys Tod aus seiner eigenen Perspektive, springen aber auch in die Köpfe der Menschen, deren Leben sich mit ihm kreuzen.



Murray erweitert behutsam die Bühne von Skippys Clique um die Vorgänge in der Internatsführung, Lebensträume der Lehrer, um die Realtitäten der angebeteten Mädchen. Alles verschlingt sich zu einer Schussfahrt, deren skurriler Höhepunkt Skippys Tod ist.




Doch endet der Roman nicht mit Skippys Tod, sondern begleitet die berührten Menschen und Institutionen auch bei den "Aufräumarbeiten" nach diesem Sturm. Zeigt, was die Katastrophe eines Schülertodes auslösen kann, welche Leben er ins Trudeln und welche er ins Gleichgewicht bringt. Trotz allem Drama und aller Unausweichlichkeit hat er ein wundervolles Ende. Eins, das Hoffnung gibt.



Fazit
Ein rundes Werk, bei dem Inhalt und Aufmachung stimmen. Die Haptik und Optik der drei in einem Schuber versammelten Bände ist ebenso feingliedrig, urig und durchkomponiert wie die Gefühle und die Konflikte der Geschichte. Ein Schmuckstück für jedes Bücherregal.