Sonntag, 5. Februar 2012

Die historische Seele des Bücherregals (Das vierte Meme)

Über die Katze mit Buch bin ich auf die Buchliebhaber-Challenge gestoßen. Sie läuft nur noch bis März und deswegen ist es wenig sinnvoll dort noch einzusteigen, aber in ihrem Umfeld starten bei der Bücherdiebin einige Memes, deren Beantwortung mich reizt (auch wenn einige davon längst "abgelaufen" sind.) Das aktuelle dreht sich um die Ahnen, Erbstücke und Schätze der eigenen Büchersammlung. Spannend!

Die Aufgabe: Welche Schinken dümpeln seit Urzeiten in euren Regalen und gehen sie schon aus dem Leim? Hütet ihr Schätze aus unvordenklicher Zeit, Familienerbstücke oder war einer eurer Vorfahren gar ein Autor? Haltet ihr Schmuckstücke in Ehren, deren Verlage schon längst den Weg alles Irdischen gegangen sind? Haben manche Bücher sogar etwas mit eurer eigenen Vergangenheit zu schaffen oder besitzt ihr sie schon recht lang? Sind da Erstausgaben zu bestaunen, Ledereinbände oder gar alte Drucke? Welches ist der Ahn in eurer Sammlung?

Die Schätze
Eigentlich ist jedes einzelne meiner Bücher ein Schatz für mich und jedes verbindet mich mit einem Teil meiner Vergangenheit. Alle Druckwerke, die dieses Kriterium nicht erfüllen, fliegen gnadenlos raus. Tauschen, freilassen oder (in ganz seltenen Fällen) wegwerfen ist die Devise. Deswegen liebe ich mein Lesezimmer. Deswegen prangt über ihnen das plakative "My Story".

Bücher waren in meinem ganzen Leben immer wichtig und wertvoll. Von klein auf steckten sie für mich voller Geschichten und waren die manifestierte gemeinsame Zeit mit meinen Eltern. Das gemeinsame Blättern und später das Vorlesen spielte eine ganz zentrale Rolle in unserem Familienleben. Ich behandelte sie mit Ehrfurcht und wenn ich sie zerlas, hielt meine Mutter sie mit Klebeband und Schutzumschlägen unermüdlich in Stand.

Als ich das erste mal in fremden Kinderzimmer bemalte und zerrissene 
Bücher sah, blieb mir fassungslos der Mund offen stehen. Die Ehrfurcht, 
die mir für Gedrucktes vermittelt wurde, sieht man meinen Büchern an.

Die Schätze meines Buchbestandes sind daher meine eigenen ersten Kinderbücher - manche Mitte der 70er-Jahre gedruckt - also noch vor meiner Geburt. Ihre Seiten blätterte ich schon von klein auf ehrfürchtig um aber sie sind weder angenagt noch abgespielt. Jedes ihrer Details ist mit unzähligen Erinnerungen an die Geschichten und Spiele meiner Kindheit verwoben. Wimmelbild-Pappbilderbücher, Liederbücher, Märchensammlungen. An ihnen habe ich Lesen und Vorlesen, Zuhören und Bücherlieben gelernt.

Die Illustrationen des Liederbuches "Sang und Klang fürs
Kinderherz" tragen die gleiche Seele wie die tschechisch-deutschen
Märchenproduktionen und ihr Bildaufbau begleitet mich bis heute.


Ebstücke und das älteste Stück
Familienerbstücke im Sinne uralter Klassiker mit Anmerkungen von Urgroßvätern versehen habe ich keine. Alle meine Vorfahren stammen aus Schlesien und auf den Flüchtlingstrecks gen Westen nach Ende des zweiten Weltkrieges war Platz und Kraft für Essen wohl wertvoller als altes Druckwerk. Und ich selbst bin nicht hinter ledergebundenen Erstausgaben her sondern hinter guten Geschichten. Der Ahn meines Lesezimmers dürfte daher ganz unbibliophil "Fernsehhund Lassie" von Dorothea Snow aus dem Engelbert-Verlag sein, das 1956 gedruckt wurde.

Fernsehhund Lassie - Das Geheimnis vom Brombeersumpf
und Hilfe für die Miller-Farm. Das Amerika der 60er inspirierte
mich zu völlig neuen Spielen im Haus meiner Großeltern
und rückte die Besuche doppelt aus Zeit und Raum.

Die Kinderbücher meiner Mutter sind auch meine liebsten Erbstücke. Ihre Geschichten hörte und las ich, wenn ich zu Besuch bei meinen Großeltern war. Geschichten aus einer anderen Zeit - Trotzkopf und Kästner und vor allem die "Hummelchen"-Bände von Käthe Theuermeister.

Das freche, vorlaute und liebenswerte Hummelchen war mein
großes Vorbild - ich fühlte mich ihm verbunden, denn wie ich hatte
es eine schwarze Puppe, die es überall hin begleitete. Das verbindet ;)

Und wie sieht die historische Seele eures Bücherregals aus?