Mittwoch, 18. April 2012

Mittwochs-Rezi: Die drei Fragezeichen 153 - und das Fußballphantom

2 von 5 Eselsohren

+++ BREAKING NEWS +++ Fußballfolge der drei Fragezeichen ist originell und superspannend +++ BREAKING NEWS +++ Ach, wie gern würde ich das mal schreiben. Wirklich! Nirgendwo steigt meine Hoffnung auf sensationelle News bezüglich der drei Detektive so relativ hoch, wie bei den Sportfolgen. Warum? 


Weil die Wahrscheinlichkeit auf gute Folgen in keinem Bereich so geringer ist (Zirkusfolgen mal ausgelassen) und so schon die kleinste Hoffnung relativ groß erscheint. Aber auch bei der 153 werden wir enttäuscht. Nicht mein innerer Enthüllungsjournalist ist hier gefragt, sondern mein innerer Losbudenverkäufer. Also: 

"Herrrreinspaziert, herrreinspaziert meine Damen und Herren! Kommen Sie näher - kommen Sie rrrran! Hier erwartet sie das Banale des Banalen! So weit hergeholt haben Sie schon lang keine Handlung mehr erlebt! Lassen sie sich von einer schlecht zusammengeklauten Story ins Land der Peinlichkeiten entführen, wenn wir jetzt aus nicht nachvollziehbaren Gründen den absolut bedeutungslosen USA-Fußball als Kulisse eines Falls der bekannten drei Fragezeichen zeigen! Herrrrreinspaziert! Herrrrreinspaziert!"  



Nein, hier hat sich Marco Sonnleitner und/oder die Hörspielskriptschreiber wirklich nicht mit Ruhm bekleckert. Dabei wäre das Potenzial zu einer durchschnittlich-netten Folge vorhanden gewesen. Aber wenn der Erzähler schon die Karte vorlesen muss, spricht das für mich Bände über die Originalität der Folge. 

Wo hakt's am schlimmsten?
  1. Es gibt einen mysteriösen aber cleveren Erpressten, der die drei Fragezeichen zur Hilfe hinzuzieht. Leider nicht absichtlich und ohne direkte Ansprache. 
  2. Es gibt einen verrückten Erpresser, der Rätseltexte losschickt. Leider sind diese so bemüht mystisch, wie ich sie das letzte Mal in "Gefährliches Quiz" hören musste mit einem Motiv, dass direkt beim "Roten Rächer" geklaut wurde.
  3. Es gibt eine Drohung, die es in sich hat und die kein reiner Bluff ist. Leider wird sie dadurch bewiesen, dass im laufenden Spiel ein Fußball abgeschossen wird - und das Spiel läuft einfach weiter. (Wirklich? Meint ihr, wenn ein Ball von einer Kugel zerfetzt wird, lassen die Verantwortlichen ein Spiel weiterlaufen?)
  4. Alte Bekannte zu treffen, finde ich immer wunderbar. Da müssten die drei Fragezeichen bei der dünnen USA-Fußball-Personallage eigentlich aus dem Vollen schöpfen können. Leider treffen sie nicht einen, der bei den Ermittlungen helfen könnte.  
  5. Das Setting einer heimlichen Konferenzschaltung zwischen Ermittlern, Erpresser und Opfer sprüht gerade  vor Spannung. Leider wird jedes Rätsel nicht nachvollziehbar vom Superhirn gelöst und auch die anderen entscheidenden Hinweise sind weder Bob noch Peter noch dem Hörer zugänglich. 
  6. Die Rätsel, die von einem Ort zum anderen führen, erinnern an "Stirb Langsam 3". Leider sind sie zum einen banal konstruiert, zum anderen gibt es keine wirkliche Jagd von Deadline zu Deadline. Aus der nervenaufreibende Schnitzeljagd wird nervende Schikane.
Im Grunde hören wir also Justus dabei zu, wie der dabei zuhört, wie ein Verrückter eine arme Socke durch die Stadt schickt. Am Ende wird das Rätsel gelöst, alles klärt sich und war gar nicht so schlimm und alle sind irgendwie zufrieden. Bis auf den Täter, der ist ja gefasst. Und das Opfer, das wurde missverstanden.

Die Sprecher machen ihren Job übrigens meiner Meinung nach auch eher lustlos als gut und mit ein bisschen zu viel Pathos.

Fazit
Potenzial verschenkt, Folge vergeigt. Und mein innerer Journalist sowie der innere Losbudenverkäufer werden von meinem inneren Fräulein Rottenmeier zurück in die Bank geschickt, wo auch schon Sonnleitner, Mininger und Körting bedröppelt auf ihr Urteil warten. 

"Nicht überzeugend. Ich würde gerne sagen können, dass mich das überrascht."